Reflect Studio

Zugegeben: Reflexionen und Spiegelungen faszinieren mich und wo immer ich ihnen begegne, muss ich sie fotografieren. In seltenen Fällen sind sie manchmal aber bei der Fotografie lästig, vor allem wenn man sich selbst im Bild hat. Da hilft dann nur noch ein Tilt-Shift Objektiv oder ein Polarisationsfilter. Zumeist jedoch machen sie einen besonderen Reiz in einem Bild aus, vor allem dann wenn es sich um eine Wasseroberfläche handelt.

Korrekt in ein Bild eingearbeitete Spiegelungen in Photoshop sind eine Wissenschaft für sich, bei der vor allem die Perspektive eine wichtige Rolle spielt. Ohne ordentliche Sachkenntnis bekommt man weder zufrieden stellende noch glaubhafte Ergebnisse. Mit dem Anfertigen einer Selektion und deren Spiegelung auf einer neuen Ebene ist es meist nicht getan, denn auch die Höhe über der Horizontebene bestimmt, welche Bildanteile in der Spiegelung zu sehen sind und welche nicht. Doc Baumann hat eine ganze Abhandlung zu diesem Thema veröffentlicht und stellt auch in der Docma immer wieder besonders schwierige Edits vor.

 

Eines ist klar: Will man eine authentisch wirkende Spiegelung in ein Bild einbauen, ist das ein ziemlich zeitaufwändiges Unterfangen und nicht mal eben so mit ein paar Klicks getan. Auf dem Markt gibt es Reflect Studio von BrainfeverMedia für knappe 30 Euro käuflich zu erwerben, das verspricht den Großteil der Arbeit abzunehmen. Es ist ein Standalone und arbeitet nicht als Plug-in oder Filter in Photoshop. Das App-Icon links neben dem Text führt Sie zur Website des Herstellers.

Brainfever ist vor allem bekannt durch seine App Lensflare Studio, die es auch als iOS-App gibt. Letztere erzeugt fantastische Lensflares, die J. J. Abrams auch nicht mehr besser machen könnte! Circular Studio (siehe Bild rechts) erzeugt den sog. Tiny World-Effekt, der für meinen Geschmack oft genug zu sehen ist. Ich hatte eine Testversion dieser Software installiert und einige Probleme damit. Nach der Gestaltung des Bildes als JPG gesichert, was aus einem 300 kB-Bild eines mit knappen 20 MB in einem für Photoshop nicht lesbaren Format erzeugte. Affinity Photo konnte das Bild öffnen.

Mit SkyLab kann man dramatischen Himmel in ein Bild einbauen. Letztere App habe ich nicht getestet, da dies ziemlich einfach in Photoshop zu bewerkstelligen ist und ich lieber eigene Himmelsaufnahmen in meinen Edits verwende.

 

NY Central Park Tiny World

created using Circular Studio Trial Version

Ausgangsbild

Gondoliere

Vorbereitungen

Links im Bild das Ausgangsmaterial, welches ich für meinen Test in Reflect Studio verwendet habe. Schon bei der Auswahl des geeigneten Bildmaterials benötigt man idealerweise ein Bild mit waagerechtem Horizont. In der App kann man zwar die Horizontlinie im Bild vertikal verschieben bis es passt, doch leider nicht drehen. Dies erschwert die Erstellung einer spiegelnden Oberfläche, die nur teilweise im Bild eingefügt werden soll. Es gibt zwar die Möglichkeit mit einem Pinsel den gespiegelten Anteil weg- und auch wieder einzumalen, allerdings ist dieser Pinsel sehr störrisch zu bedienen. Wirklich exakt Arbeiten ist damit sehr schwer.

Obwohl diese Aufnahme ideal für Reflect Studio geeignet ist, ergab sich beim Einbau der Wasseroberfläche ein Problem mit den Grasbüscheln am Ende der Wiese, die vor der Gondola sichtbar sind. Um diese auszublenden und nicht mitzuspiegeln, musste ich die Wasserlinie so hoch ziehen, dass die Gondola viel zu tief im Wasser lag und mir die Bootsgäste hat beinahe ertrinken lassen. Feinarbeiten mussten also zunächst vorbereitend in Photoshop erledigt werden: Die Grasbüschel habe ich mit dem Klonstempel weggestempelt und in CameraRAW das Bild noch einmal um 1,3 Grad gedreht, damit der Horizont am gegenüberliegendem Ufer absolut waagerecht war.

Neben dem unhandlichen Maskierungspinsel wird bereits hier ein Problem mit der App offenbar: Man benötigt Ausgangsmaterial, das sich eignet eine ebene Wasserfläche vom linken bis zum rechten Bildrand einfügen zu können. Dies erkennt man auch sehr schön an den Beispielbildern auf der Website des Herstellers, die alle von direkt frontal aufgenommen wurden.

 

 

Ergebnis

Edit: Adobe Photoshop CC 2015.5 dahin geschmiert auf dem MacBook ohne Grafiktablett - daher die Grasbüschel rechts im Bild, die ich einfach ignoriert habe. CLUT: GentleSpring.

Fazit

Reflect Studio kommt mit einer Vielzahl von Presets: Water, Oceans, Beaches, Ice, Floor Surfaces, Tiled Surfaces und SciFi. In jeder Kategorie hat man sieben bis zehn unterschiedliche Oberflächen zur Auswahl. Diese kann man leider nicht in der Farbe anpassen. Im Gegensatz zu Circular Studio, bei der sich Anpassungen mit Kamerafiltern nur auf das importierte Bild und nicht auf die App-Overlays auswirken, ist hier Reflect Studio exakter: Filter wirken sich auch auf die eingebaute Oberfläche aus. 

Ohne vorbereitende Bildanpassungen in einem Editor wie Photoshop habe ich in meinem Fundus kein Bild gefunden, das alleine mit Reflect Studio befriedigende Ergebnisse liefert, es sei denn man hat bereits bei der Aufnahme die App im Kopf und weiß, was man damit machen will. Auch anschließende Feinarbeiten sind alleine mit der App nicht hinzubekommen, wozu man dann wieder Photoshop o. ä. verwenden muss. 

Für Einsteiger in die Bildbearbeitung ist die App durchwegs geeignet, wenngleich der störrische Pinsel auch den Anfänger sehr frustrieren kann. Für den Profi allerdings bietet die App nichts, was man nicht auch schneller und besser in Photoshop hinbekommen könnte. Daher muss man selbst entscheiden, ob einem die 30 Euro für die App das Geld wert sind. Die Einsatzgebiete der App sind arg limitiert auf eben spiegelnde Oberflächen und so ein Effekt wird dann auch schnell langweilig. Besser man fotografiert sie mit der eigenen Kamera, das ergibt auf jeden Fall natürliche und authentische Effekte!

Reflect Studio UI

Reflect Studio

Wo kaufen?

Die Preise vom Apple Mac AppStore (MAS) unterscheiden sich nicht von denen im Store auf der Herstellerseite. Kauft man im MAS hat man zwar keine Testmöglichkeit der Software, allerdings synchronisiert der Store mit allen Macs die man sein eigen nennt. Kauft man direkt bei Brainfever hat man die Möglichkeit eine voll funktionsfähige App ohne Limitierungen oder eingebaute Wasserzeichen für sieben Tage kostenlos zu testen. Meist sind die Hersteller mit ihren Updates schneller als deren Freigabe durch Apple im MAS. Der Download von Brainfever direkt hat gefühlte zwei Tage gedauert - wie's scheint ist ihr Server nicht der schnellste. 

BrainfeverMedia im Mac AppStore

MAS