Affinity Photo (iPad)

English: You can read a synopsis on 9to5Mac

 

Foto Apps für iOS gibt es im iTunes Store wie Sand am Meer und viele kommen mit zusätzlichen Features wie Foto-Filter und Retro-Effekte die man über seine Schnappschüsse auf dem iPhone legen kann. Wenige Softwareschmieden haben sich bisher an die Profis gewandt und einen „Raw-Entwickler“ herausgebracht, wobei mir hier nur zwei wirklich gute spontan einfallen: Adobe Lightroom und Google Snapseed. "Raw-Entwickler" ist deswegen in Anführungszeichen gesetzt, da Bilder mit der iPhone Kamera aufgenommen im JPG-Format gespeichert werden und die wenigsten Fotografen ihre Kamera ans iPad anschließen, um die gigantischen Datenmengen bei Raw-Aufnahmen auf selbiges zu überspielen um damit ihre Entwickler-Arbeit zu leisten. Das macht man dann doch besser und schneller auf einem Computer. Ich selbst überspiele bei einem Foto-Shoot auch nur JPGs aufs iPad via EyeFi-Karte ganz einfach aus dem Grund, weil das Display des iPad größer ist und ich dann schnell und besser beurteilen kann, ob eine Aufnahme gut gelungen ist.

Ein richtiges Bildbearbeitungsprogramm à la Photoshop gab es bisher nicht für iOS und selbst Adobe hat die Entwicklung seiner Pocket-Version von Photoshop für iOS vor Jahren schon eingestellt. Das war auch besser so, denn vernünftig arbeiten konnte man damit kaum und es hatte auch nur ein paar wenige Funktionen. 

Affinity Photo Files Screen
Affinity Photo Help Screen

Während der diesjährigen WWDC Keynote ist mir der Unterkiefer auf die Tischkante geklappt als Ash Hewson von Serif die brandneue App Affinity Photo für iOS vorgestellt hat und noch jetzt steht mir den Mund offen, wenn ich damit auf meinem iPad Pro mit dem Apple Pencil arbeite. Es ist schier unglaublich, was die Entwickler von Serif geleistet haben und das zu einem nicht zu schlagenden Preis!

Noch bis zum 29.06.2017 ist Affinity Photo zu einem Einführungs-Preis von € 21,99 (regulärer Preis: € 32,99) zu erhalten ohne jegliche Abo-Gebühren, zukünftige Updates sind inbegriffen. Gleichzeitig mit der Einführung von Affinity Photo fürs iPad sind die Apps für macOS und Windows (Affinity Photo und Affinity Designer) mit einem Rabatt von 20% käuflich zu erwerben.  

Links im Bild:

UI (Benutzeroberfläche) von Affinity Photo mit eingeblendeter Sprechblasen-Hilfe für alle Werkzeuge am linken Rand, Personas und App-Steuerung oben sowie den sog. "Studios" am rechten Bildrand.

Unten im Bild:

Neun Möglichkeiten ein Bild in Affinity Photo zu öffnen (v.l.n.r.): Neues Dokument, Import von iCloud, Import von Photos, Neues Panorama, Neuer Stapel, Neues Fokus-Stacking, Neues HDR, Import von Camera und Neues Projekt.

Affinity Photo Import Screen

Einschränkungen

Affinity Photo ist nicht auf jedem iPad lauffähig und benötigt mindestens iOS 10.3. Man sollte die Beschreibung der App auf der Website von Serif genau lesen, da die Liste kompatibler iPads von Apple im iTunes Store nicht korrekt ist! Die meisten schlechten Bewertungen resultieren aus dem Umstand, dass sich die Leute die App gekauft haben und erst nach dem Download festgestellt haben, dass sie auf ihrer Hardware nicht läuft. Man benötigt ein

  • iPad Air 2,
  • ein iPad mit A9 Chip ab 2017
  • oder ein iPad Pro.

Definitiv nicht läuft es auf einem iPad mini oder dem iPhone - zugegeben: das würde auch wenig Sinn auf so einem kleinen Display ergeben! Ideal ist ein iPad Pro 10,5" oder 12,9", denn je mehr Arbeitsfläche man in der Bildbearbeitung hat, desto besser.

Zielgruppe

Affinity Photo richtet sich an professionelle Bildbearbeiter und solche die es werden wollen. Die Lernkurve ist ziemlich steil und erschwerend kommt hinzu, dass die Video-Tutorials und Hilfedateien allesamt in Englisch sind. Wer nur mal eben einen Foto-Filter über seine Bilder legen möchte, für den ist Affinity Photo sicherlich „übermotorisiert“, doch lohnt sich bereits die Anschaffung wenn man einen ordentlichen Raw-Entwickler haben möchte ohne dabei gleich ein Kundenkonto bei Adobe anlegen zu müssen, wie dies bei Lightroom der Fall ist.

Wer schon Erfahrung mit Affinity Photo bzw. Photoshop für macOS oder Windows hat, für den dürfte der Einstieg wesentlich leichter sein. Für all diejenigen, die gerne mal eine Bildbearbearbeitung unterwegs machen möchten ohne dabei auf den Luxus eines Grafiktabletts à la Wacom Cintiq verzichten zu müssen, ist die Anschaffung von Affinity Photo fürs iPad ein „no-brainer“. 

Entwickeln Persona

Bewegen Sie den Mauscursor im Bild oben von links nach rechts um alle Entwicklungseinstellungen zu sehen! Die Benutzeroberfläche lässt sich umstellen auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Japanisch.

Pros

Affinity Photo fürs iPad bietet fast alle Tools, die man sich auch auf dem Desktop wünscht und braucht. Nondestruktives Arbeiten ist dank unbegrenzter Ebenen jederzeit gegeben, die Benutzeroberfläche ist intuitiv und leicht verständlich. Für alle weiteren Fragen steht eine In-App Hilfe bereit, allerdings nur in Englisch. Video-Tutorials sind derzeit noch wenige online, jedoch sind mehr versprochen. 

Die Zusammenarbeit mit Cloud-Diensten ist umfassend (iCloud, Dropbox und sogar mein NAS wird unterstützt), sodass man schnell wieder Speicher auf dem iPad frei bekommt und am Desktop weiter arbeiten kann - entweder in Affinity Photo selbst oder auch in Photoshop.

Die Datei-Kompatibiltät ist hervorragend, gängige Raw-Formate und auch DNG (Adobe Digital Negative) wird anstandslos geöffnet. Ebenso sind zahlreiche Exportformate vorhanden: PNG, JPEG, GIF, TIFF, EXR, HDR, PSD, PDF, EPS und SVG. 

Für all jene wie mich, die die Tastatur in der linken Hand für Shortcuts und den Stift in der rechten Hand zum Arbeiten haben (oder umgekehrt: die Einstellungen können auch für Linkshänder umgestellt werden), kann auch eine Bluetooth-Tastatur angeschlossen werden, denn Affinity Photo fürs iPad unterstützt auch Shortcuts. 

Die Raw-Persona zur Basis-Entwicklung von Aufnahmen im Raw-Format lässt fast keine Wünsche mehr übrig, denn alle Funktionen sind ordentlich in Tabs gegliedert: angefangen vom unentbehrlichen Histogramm und der Anzeige von ausgefressenen Highlights bis zu den abgesoffenen Tiefen im Bild selbst bis hin zur grandiosen Schwarz-Weiß-Entwicklung mit Steuerung der einzelnen Farben und Split-Toning. Weißabgleich, Verzerrungen, chromatische Aberration, Luminanz- und Farbrauschen, Schärfen: alles ist da und sogar die Metadaten werden angezeigt. 

Selbst auf so rechenintensive Personas wie Verflüssigen wurden nicht verzichtet und auch die perspektivische Korrektur einer Aufnahme gelingt im Handumdrehen. Nicht unerwähnt soll das History-Panel bleiben, bei dem ganze Gruppen von Schritten rückgängig gemacht werden können.

Die Grafik-Engine arbeitet sowohl im 8- als auch 16-bit Modus und für HDRs in 32 bit. Das ist gängiger Standard und vollkommen ausreichend. 

Am meisten verblüfft hat mich, dass Affinity Photo auch Panorama-Stitching, Focus-Stacking und HDR beherrscht! Bisher habe ich noch nicht alles ausprobiert, aber ein Panorama aus 6 Aufnahmen im TIFF-Format aus HDRs (hier streckt sogar Lightroom für den Desktop alle Viere von sich) hat Affinity Photo anstandslos und vor allem relativ schnell ohne jegliche Fehler zusammengebaut! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! Einzig die Ebenen und Ebenenmasken sind nach dem Rendering zusammengerechnet und nicht wie in Photoshop nach dem Rendern auch zugänglich. 

Besonders gut gefällt mir auch mein Lieblings-Tool: der Pen. Den benötige ich zehnmal mehr als alles andere für perfekte Freistellungen und das klappt mit einem Apple Pencil auch ganz hervorragend. 

Affinity Photo Einstellungen - Farben

Im Bild oben: Einstellungen in Affinity Photo: Farben.

Affinity Photo: Panorama

Im Bild oben: Erstellung eines Panorama in Affinity Photo.

Affinity Photo: Eingebaute Hilfe

Im Bild oben: Eingebaute Hilfedateien in Affinity Photo.

 

Cons

Einer der unangenehmsten Nachteile der derzeitigen Version 1.6.2 ist ihre Absturzgefährdung ohne Rettungsseil: stürzt die App ab, sind auch gleich alle Bearbeitungen gelöscht. Ich denke, da wird noch nachgebessert. Zudem ist mir aufgefallen, dass die App anstandslos mit kleineren Dateien wie JPGs arbeitet, doch sobald Bilder im Raw-Format von der Kamera mit einigen Dutzend MB an Umfang ins Spiel kommen, steigt die Absturzgefahr! Zwar verfügt die App in den Einstellungen über eine Autosafe-Funktion, doch selbst bei umfangreichen Bearbeitungen mit vielen Ebenen waren diese nach einem Absturz schlichtweg verschwunden. 

Der Raw-Persona fehlt eindeutig noch die HSB-Korrektur einzelner Farben sowie ein Raster zum gerade richten einer Aufnahme: dies geht zwar über Projections -> Perspective Projection aber da muss man auch erst mal drauf kommen.

Kamera- und Objektivmodelle werden beim Import nicht unterstützt, dafür gibt es keine Profile und auch keine Profile für die Farbkalibrierung der Kamera. Ein iPad selbst kann ja nicht farbkalibriert werden, daher ist für 100% Farbtreue in der Produktfotografie der kalibrierte Desktop vorzuziehen. Die Farbräume sind auch mit sRGB IEC61966-2.1, Display P3 und ROMM RGB ISO 22028-2-2013 sowie einigen geläufigen CMYK-Farbräumen eher übersichtlich als umfangreich gestaltet. ProPhoto RGB wird nicht unterstützt und Adobe RGB gibt’s nur im Export.  

Die Handballenauflage wird mit Apple Pencil in der Hand oftmals nicht richtige erkannt, so dass mir beim Aufsetzen der Hand schon des öfteren bei gewähltem Pen-Tool die Kurve aus dem Bild gerutscht ist. Das ist kein Weltuntergang, denn ein Klick auf Undo und das Problem ist behoben. Dennoch lassen sich manche Funktionen wie z. B. die Quelle beim Stempel nicht mit dem Pen sondern nur mit der Fingerspitze setzen. Das hat etwas gedauert, bis ich das kapiert habe. 

Um mich vollkommen glücklich zu machen, wünschte ich mir ein PDF der eingebauten Hilfe, welches man von der Website von Serif herunterladen könnte. Will man was nachlesen, muss man erst umständlich aus der Bildbearbeitung aussteigen um die Hilfe aufzurufen und danach wieder einsteigen. 

Fazit

Affinity Photo ist eine Revolution im Bereich der Bildbearbeitung auf dem iPad. Vergessen Sie Pixelmator (in meinen Augen ein Kinderspielzeug), das mittlerweile nicht mehr erhältliche Adobe Photoshop, Photoshop Mix, Fix und wie sie nicht alle heißen - das Konzept eine Funktion pro Mobile App von Adobe regt mich sowieso schon seit Jahren auf und ich verwende sie einfach nicht mehr. Das nahtlose Arbeiten am iPad und danach am Desktop ist Dank Cloud-Sync mühelos und 1:1 umgesetzt.

Ich arbeite seit fünf Jahren fast ausschließlich mit den Apps der Adobe Creative Cloud und man kann mich durchaus als Adobe Fanboy bezeichnen, doch sehe ich auch, dass kleinere Unternehmen wie Serif in wesentlich schneller Zeit mit geringeren Ressourcen an Personal und Know-How (im Vergleich zu den jahrzehntelangen Erfahrungen von Adobe) unfassbare Apps zustande bringen und das zu einem Preis, der eindeutig zu niedrig angesetzt ist, sowohl was die Desktop als auch die iPad App betrifft!

Alex, 18.06.2017 

Im Bild rechts (vorher / nachher): Freistellung meiner selbst mit dem Pen-Tool (rote Maskierung, linkes Bild) und nach der Freistellung (rechtes Bild) mit Unschärfe im Hintergrund mittels Gaussian Blur und einer Verlaufsmaske. Kamera: DxO One.

Credits

Affinity Photo Banner und Screenshots: © 2017 by Serif. Screenshot edits, compositions and content photos: © 2017 a|walter|photography. "Kinderspielzeug" with many thanks to Fabian from appgefahren.

HDR-Entwicklung

Vergleich: Linkes Bild - Affinity Photo für iPad. Rechtes Bild: Photomatix Pro und Photoshop. Unterschiedlicher Crop-Faktor der beiden Apps trotz gleicher Belichtungsreihe.

Experiment #1

In diesen nachfolgenden Abschnitten beschreibe ich die Spezialitäten von Affinity Photo sobald ich damit experimentiert und Ergebnisse liefern kann.

Update 23.06.2017: Siehe bitte auch Experiment #4 weiter unten, in dem ich beschreibe, wie ich es doch noch geschafft habe.

So begeistert ich bei der anstandslosen Bearbeitung von Panoramen war, so sehr enttäuscht bin ich gerade über die HDR-Funktionen von Affinity Photo. Das mit Photomatix Pro erstellte HDR entstammt aus einer Belichtungsreihe von insgesamt 10 Aufnahmen: von der kompletten Unterbelichtung bis zur Überbelichtung, wenn im Histogramm der Rotkanal am rechten Ende anschlägt. Die Kamera im manuellen Modus, mit fixierter Blende und manuellem Fokus und ausgeschaltetem Bildstabilisator, da der auf dem Stativ nicht benötigt wird. So habe ich das gelernt. Alle Bilder lagen im DNG-Format vor und ich habe zunächst nur sechs Bilder in Affinity geladen, getreu dem Motto: hat ja beim Panorama auch funktioniert.

Nach dem Import der einzelnen Bilder ist die App beim Prozess des HDR-Merge abgestürzt. Also habe ich die Zahl der Bilder auf vier reduziert mit dem gleichen Ergebnis. Dann habe ich diese vier Bilder in Adobe Bridge durch den Image-Prozessor gejagt und JPGs draus gemacht. Diese danach wiederum in Affinity geladen und erneut der Versuch eines HDR-Merge. Diesmal klappte es anstandslos.

Durch die wenigen Bilder entstanden im Himmel unschöne pixelige Artefakte, die auch nach Entfernung des Luminanzrauschens nicht zum Verschwinden gebracht werden konnten. Auffällig ist auch, dass trotz exakt gleicher Bilder, die allesamt auf einem Stativ mit Fernauslöser aufgenommen wurden, Affinity Photo einen seltsamen Bildbeschnitt vornimmt. Ganz zu schweigen davon, dass in der bearbeiteten Version auf dem iPad nur zwei Regler zur Einstellung vorhanden sind: Belichtung und Gammakorrektur. Keine Möglichkeiten der Tonwertkomprimierung, der Methode und Stärke und auch kein spezifisches Deghosting.  Das Tonemapping habe ich erst später entdeckt (s. Experiment #4 unten).

Der Test / Vergleich hinkt etwas in der Art, welche Bilder in Affinity geladen wurden (siehe Bild unten). Doch der Import ist leider sehr umständlich: man muss ein Bild nach dem anderen laden und wenn man dies aus der Cloud/NAS macht, klickt man sich immer wieder durch die gleichen Ordner, da immer nur ein Bild markiert werden kann und nicht eine ganze Reihe. Das ist sehr umständlich gelöst und gilt im Übrigen auch für alle anderen Stapel, wie z. B. Panorama.

19.06.2017

Im Bild oben: Die Original Belichtungsreihe, die in Photomatix verwendet wurde. Die vier Aufnahmen für Affinity Photo sind blau umrandet.

Experiment #2

Für all jene, die sich unter dem Begriff "Focus-Stacking" wenig vorstellen können: Es ist quasi eine Tomographie bei einer Makro-Aufnahme. Das Problem bei Makros ist, dass der scharfe Bereich nur einige wenige Millimeter beträgt. Direkt von oben fotografiert fällt dieser Umstand weniger in Gewicht bei Ebenen, die ziemlich plan sind. Fotografiert man allerdings schräg wie im Bild rechts, hat man nur ein schmales Band, welches scharf ist während alles andere davor und dahinter in der Unschärfe verschwindet. Beim Focus-Stacking fokussiert man manuell und beginnt bei dem Abschnitt, der dem Objektiv am nächsten gelegen ist, macht eine Aufnahme, verschiebt den Fokus weiter weg, macht eine weitere Aufnahme, usw. bis man das Objekt von vorne bis hinten in einem Stapel hat. Diesen lädt man dann in einen Bildeditor, welcher nur die schärfsten Anteile der einzelnen Aufnahmen nimmt uns sie dann in ein einziges scharfes Bild zusammenfügt.

Entgegen der Bruchlandung mit dem HDR hat hier Affinity Photo mit Bravur die Aufgabe gemeistert. Alle 12 Aufnahmen wurden anstandslos als DNG geladen und zusammengebaut ohne Absturz. Im Vergleich rechts im Bild finde ich sogar, dass sowohl der Bildausschnitt als auch die Lebendigkeit der Blüte in dem Ergebnis von Affinity besser gelungen ist, als in Photoshop. Dennoch sind die Farben etwas übersättigt, Ränder an gelben Blütenblättern hatten in Affinity Photo fürs iPad seltsame grüne Säume. Nach dem Speichern und laden des Bildes in Affinity für den Mac waren diese aber verschwunden. 

20.06.2017

Focus Stacking

Im Bild oben: Links das Focus-Stacking von Adobe Photoshop und rechts das von Affinity Photo für iPad.

Im Bild oben: Benutzeroberfläche "Panorama" in Affinity Photo für iPad.

 

Experiment #3

Dass Affinity Photo Panoramen erstellen kann und dies ziemlich gut, hatte ich bereits erwähnt. Für diesen Test habe ich 5 HDR-Aufnahmen mit jeweils 120 MB Dateiumfang als TIF in Affinity Photo geladen. Das Stitching (Zusammenfügen) des Panoramas hat anstandslos funktioniert. Am äußersten Rand sind ein paar maximal 10 Pixel breite transparente Bereiche übrig geblieben. Dies hat seine Ursache entweder in leichten Wacklern der Kamera auf dem Stativ oder weil die Kamera nicht perfekt ausgerichtet war. Man kann dann die transparenten Bereiche einfach abschneiden indem man das Foto zuschneidet oder die Transparenzen mit dem Zauberstab auswählen, die Auswahl dann um ein paar Pixel vergrößern, sodass sie bis in die Bereiche geht, die Pixel enthalten und dann in Photoshop "kontextsensitives Füllen" auswählen. Photoshop sieht sich dann die Bereiche im Übergang von transparent zu Bildpixeln an und füllt diese mit ähnlichen Pixeln, so dass man keinen Übergang mehr sieht. In Affinity Photo fürs iPad habe ich so eine Funktion noch nicht gefunden, also musste ich stempeln. Das dauert ein bisschen länger. 

Während des Stempelns ist mir Affinity Photo drei Mal abgestürzt, doch dieses Mal hat es keine Daten verloren, der letzte Bearbeitungsstand war durch Autosafe gesichert worden. Da die einzelnen Aufnahmen bei der Erstellung der einzelnen HDRs ja bereits durch Photomatix gelaufen waren, konnte ich mir eine weitere Bearbeitung in der Entwickeln Persona ersparen. Da Affinity Photo über kein Upright-Tool verfügt und das Geraderichten des Panoramas mit der perspektivischen Korrektur aufgrund des Weitwinkels (24mm) des Tilt-Shift Objektivs ein bisschen schwierig war, habe ich das Panorama ins PSD-Format ausgegeben und es in Adobe Camera Raw gerade gerichtet. 

Das Ergebnis von Affinity differiert nur marginal vom Stitching in Photoshop und ist alleine dem Algorithmus und der Auswahl der Übergänge geschuldet. Hier liefert Affinity astreine Bildbearbeitung ab!

21.06.2017

Panorama Affinity Photo iPad 1.6.2

Panorama Adobe Photoshop CC 2017.1.1

Experiment #4

Das fehlgeschlagene Experiment der ersten HDR-Entwicklung hat mir keine Ruhe gelassen und es muss doch besser gehen, zumal wenn alle anderen Funktionen der App so gut arbeiten! Wie sich herausgestellt hat, habe ich den Tonemapping-Button übersehen (siehe Bild rechts).

Diesmal habe ich Affinity alle 10 Aufnahmen der Belichtungsreihe als native Camera Raw Dateien übergeben, so wie sie aus der Kamera heraus kommen: CR2 ist das Raw-Format von Canon Kameras. Leider konnte ich auch hier Affinity nicht dazu bringen nicht abzustürzen. Auch hier zweimaliger Absturz beim Prozess des HDR-Merge. So bin ich wie vorher auch weiter verfahren, indem ich die Einzelbilder durch den Image-Prozessor der Adobe Bridge gejagt und JPGs ohne Kompression ausgegeben habe (Bilderreihe oben). Danach wieder jedes Bild einzeln in Affinity geladen und siehe da: das HDR-Merge hat ein sehr gutes Ergebnis geliefert. Nachdem ich nun endlich auch das Tonemapping gefunden habe, konnte ich weitere Feineinstellungen vornehmen.

Im Vergleich unten sind sich die beiden Ergebnisse aus Affinity und Photomatix schon recht ähnlich, wenngleich die Farben nicht so viel Brillanz haben wie in dem Bild von Photomatix. Dieser Umstand ist meines Erachtens vor allem dem Unterschied von JPGs in Affinity und Camera Raw in Photomatix im Ausgangsmaterial geschuldet. Nichts desto trotz braucht sich das HDR von Affinity nicht verstecken - ganz im Gegenteil! Etwas unangenehm fallen allerdings die hellen Halos um Kontrastkanten (z. B. Flutlichtanlage) im Bild von Affinity auf. Dies hat seine Ursache wohl darin, dass ich es in der Entwickeln-Persona mit dem Schärfen etwas übertrieben habe. Diese traten auch bei dem Bild von Photomatix und der Bearbeitung in Photoshop nach Anwendung des DoubleUSM (doppelte Unscharfmaskierung) Filters auf und sind mit einer Maske wieder herausgepinselt. 

23.06.2017

HDR-Entwicklung

Tonemapping in Affinity Photo

Im Bild oben: Das Tonemapping in Affinity Photo für iPad.

 

Affinity Photo

Photomatix Pro

Zusammenfassung

Serif liefert mit Affinity Photo eine nicht zu schlagende professionelle Bildbearbeitung für das iPad ab, das seinesgleichen sucht und eine ernstzunehmende Software für Fotografen und Bildbearbeiter ist, wie es sie noch nie zuvor gegeben hat. Es ist weit entfernt von mehr oder weniger ambitioniertem Spielzeug für das iPad und stellt fast alles zur Verfügung, was man sich nur wünschen kann. Bildbearbeitung ist rechenintensiv - nicht umsonst lagert Adobe einen Großteil dieser Arbeit auf den Grafikprozessor aus. 

Umso erstaunlicher, dass dies alles auf einem iPad vernünftig zum Laufen gebracht werden kann. Affinity Photo stellt aber ebenso Anforderungen an die Hardware und richtig gut kann man sicherlich nur mit einem iPad Pro damit arbeiten. Wenn in kommenden Updates noch ein paar vorhandene Schwächen (Abstürze, Mehrfach-Bilderauswahl für Stapel, HSB-Regler und Upright-Tool in der Entwickeln-Persona) und vielleicht auch ein Benutzerhandbuch als downloadbares PDF nachgereicht werden, gibt es keinen Grund mehr seinen Laptop durch die Gegend zu schleppen. 

Update Version 1.6.3 vom 05.07.2017

Wie bereits in der Rezension bemerkt war ich mir sicher, dass Serif schwer an den Bugs arbeitet und siehe da, mit der Version 1.6.3 haben sie alle Schwächen behoben die mir aufgefallen sind. Bisher hatte ich jedoch keine Gelegenheit es zu testen.

HDR-Entwicklung aus Raw-Dateien (DNG)

Das bereits in Experiment #1 beschriebene Problem wurde zur Gänze behoben. Affinity Photo öffnet nun auch Belichtungsreihen im Raw-Format und baut sie zu einem HDR zusammen. Wenngleich das Ausrichten der Bilder und das anschließende Zusammenfügen zu einem HDR von 12 Aufnahmen (siehe Bilderreihe über diesem Abschnitt) satte 06:26 Minuten gedauert hat, ist dieser Umstand sicherlich der "Pferdestärke" eines iPad-Prozessors geschuldet und selbst Photomatix hat auf dem MacBook Pro ein paar Minuten gebraucht. Ein paar Geisterbilder von vorbei schwimmenden Enten samt deren Kielwasser konnten schnell mit dem Inpainting-Pinsel entfernt werden. Affinity Photo liefert im Ergebnis ein astreines HDR das sich nur unwesentlich von Photomatix unterscheidet. Beide Bilder sind anschließend in Adobe Camera Raw mit meinem Kamera- und Objektiv-Profil versehen worden, damit der Vergleich eindeutiger ist. 

Im Vergleich unten der Kleinhesseloher See an Neujahr 2016 bei dichtem Nebel.

Changelog

  • Native resolution support for 10.5-inch iPad ProNative resolution support for 10.5-inch iPad Pro
  • Portrait mode implementation- New chooser for Photos
  • supports multi selection, indicates RAW
  • Improve performance with complicated documents
  • Improved brush performance
  • Canvas rotation will snap to 90 degree increments if within 5 degrees
  • Improved RAW metadata support and reliability
  • Further HDR stability improvements
  • Improved pencil / gestures support- Undo/ redo buttons available in full-screen mode
  • Support pasting of images from other applications- Ability to duplicate open documents from the home screen
  • Panoramas can now be created from RAW files
  • HDR Merge can now be performed on RAW files
  • Panorama stability improvements
  • Can now choose font face - not just family
  • lnpainting improvements and stability fixes
  • Improved iCloud folder support
  • Improved performance in documents with lots of masks/ adjustments
  • Ability to turn off spelling red underlines- Pixel tool improvements - erase and other alternate modes
  • Preference option to limit touch to gestures
  • Improved layers studio - you can now see / select unto 2 masks / adjustments without expanding a layer
  • More tutorials!
  • Localisation improvements
  • Numerous other improvements and fixes

Affinity Photo

Photomatix Pro

Update Version 1.6.4 vom 18.08.2017

Weitere Verbesserungen und Bugfixes im Changelog.

Changelog

  • New "Macro studio" (import/ playback).- New "Macro studio" (import/ playback)
  • Added "Export LUT" to document menu.- Allow "Focus Merge" to use RAW sources.
  • The "Curves" adjustment spline editor now presents an intensity histogram.
  • Increased the maximum size of the liquify brush tools.
  • Wet edges can now have a custom interpolation spline.
  • New pinch gesture support for grouping/ ungrouping layers.
  • "Passthrough" blending is now supported for groups.
  • Develop now has the same crop tool options as the main crop tool.
  • Efforts to reduce the size of the application binary.
  • Significant improvements in performance for large/ complex documents.
  • Photo library now shows all user albums/ folders. - ABR import improvements.
  • The "Curves" adjustment now responds properly to dragging on the document to set node positions.
  • Show adjustment groups, mask groups properly in the layers page.
  • Significant memory handling improvements when using Core Image RAW.
  • Photo library chooser will reload when external changes occur.
  • Switch between button menus now only requires one press.
  • Allow "Place Image" to place original images from Photos.
  • When creating a document from the camera, metadata is now available.
  • Added "Convert to Curves" to command menu.
  • Selection refinement stability/ performance improvements.
  • Improved HDR merge of RAW images.
  • Move tool transform nodes can now be hit more reliably.
  • Selection marquee tools support extra-finger-constrain.
  • New option to dither gradients in preferences - defaults to "on".
  • Significant pan/ zoom smoothness improvements.
  • Directional lights in the lighting filter can now be directed using on-canvas handles.
  • Adjustments/ filters preview react to changes in canvas size.
  • Fixed HDR merge of portrait images.
  • Fixed some brushes looking wrong on masks / adjustments.
  • Fixed rendering of adjustment layers with blend modes.
  • Fixed some Live Filter drawing artefacts.
  • Fixed some LUT R/B channel swap issues.
  • Fixes for the inpainting tool occasionally leaving red marks.
  • Fixes for liquify (and other tools) cancelling if you drag off the edge of the screen.
  • Fixed crashes when a font has no traits.
  • Fixed issue where a document failing to load would prevent subsequent loads.
  • Fixed painting onto masks/ adjustments.
  • Fixed pasteboard issues.
  • Fixed vignette artefacts.
  • Fixed selection "marching ants" flickering on zoom.
  • Fixed the grid becoming less visible on light areas of the document.
  • Fixed issues where the text tool would cause the document to pan to a silly position.
  • Fixed snapping dialog oddities .
  • Fixed black screen when opening documents in OCIO colour spaces.
  • Fixed mixer brush introducing too much black.
  • Help improvements.
  • Localisation improvements.
  • Numerous other small fixes and improvements.