HDR und Panorama

 

 

Auf den kommenden Seiten entführe ich Sie in die Welt der fotografischen Spezialthemen HDR- und Panoramafotografie. Klicken Sie auf das HDR rechts neben dem Text, gelangen Sie zu den Fotogalerien meiner HDRs (folgt!) Wenn Sie zu den Panorama-Aufnahmen gelangen wollen, klicken sie auf das Panorama unterhalb dieses Absatzes. Wenn Sie das Thema High Dynamic Range Imaging näher interessiert, lesen Sie bitte weiter!

 

High Dynamic Range Imaging

HDR steht für High Dynamic Range und manchmal wird noch ein i nachgeschoben für Imaging. Eine große oder hohe Bilddynamik bedeutet, dass das Licht ungleichmäßig verteilt ist. Stellen Sie sich dazu eine Landschaft vor, in der viel Himmel und Wälder zu sehen sind bei wenig Bewölkung und strahlendem Sonnenschein. Für eine moderne Digitalkamera stellt dieser Lichtumfang aus Licht und Schatten ein großes Problem dar. Eine korrekte Belichtung kann der CCD-Sensor der Kamera nicht abbilden. Entweder es sind die hellen Bereiche wie z. B. der Himmel richtig belichtet, dafür "saufen" aber die Schatten in Schwärze und ohne Details im Bild ab, oder das genaue Gegenteil ist der Fall: Die Schattenbereiche sind korrekt belichtet, dafür "fressen" die Lichter im Himmel aus und ganze Bereiche sind dann reines Weiß ohne Details in den Lichtern.

 

Nd-Filter

Der geneigte Landschaftsfotograf behilft sich in solchen Situationen mit einem Graufilter (Nd-Filter = Neutraldichtefilter), der von Grau (oben) bis transparent (unten) verläuft und vor das Objektiv geschraubt wird - ein sog. GND-Filter (G für Grauverlauf). Der Himmel wird dabei durch den Filter in seiner Helligkeit reduziert, was die Belichtung vereinfacht. Man setzt diese Filter aber auch für Langzeitbelichtungen ein, um z. B. bei bewegten Wasseroberflächen eine träumerische Bewegungsunschärfe ins Bild zu bekommen. Je nach Belichtungsdauer wählt man unterschiedlich starke Graufilter aus.

Die Rettung

Dank der modernen Technik in Digitalkameras sind HDRs mittlerweile sehr leicht zu erstellen. Oftmals berechnen sie bereits bei der Belichtungsreihe dann das HDR im Image-Prozessor der Kamera, siehe hierzu auch mein Artikel im Workshop zur HDR-Software Hydra. Man benötigt also eine Reihe von Aufnahmen, die von der Unterbelichtung bis hin zur Überbelichtung gespeichert werden und dann entweder in der Kamera selbst oder später am heimischen Computer mittels spezialisierter Software das HDR erzeugen. Manche Smartphone-Apps begnügen sich dabei schon mit zwei Aufnahmen, ideal sind drei (siehe Bilder unten) und der Profi gibt sich nicht zufrieden, bis sämtliche Kanäle im Histogramm der Kamera rechts bei den Lichtern anschlagen. 

Die Ausrüstung

Damit wird auch offenbar, was der HDR-Fotograf am dringendsten benötigt: Während man drei Aufnahmen noch relativ verwackelungsfrei aus der Hand schießen kann, geht das mit einer Serie von sieben bis 12 Bildern nicht mehr! Ein Stativ muss also mitgenommen werden. Dies kann unter Umständen schwierig werden in schwach ausgeleuchteten Innenräumen, z. B. Kirchen. Immer auf Schilder achten oder mit den Leuten sprechen, ob man ein Stativ auch aufstellen darf. Ist dies nicht der Fall, muss man sich anderweitig behelfen, z. B. ein Einbein-Stativ, ein Mauervorsprung gegen den man sich lehnen kann, etc. Leider bringt dies auch mit sich, dass man nicht mehr so frei in der Komposition seiner Aufnahme ist.

Hydra 4

-1

Die unterbelichtete Aufnahme (-1 Blende) dient der HDR Software zur Berechnung der Details in den Lichtern.

Normal

Die normal belichtete Aufnahme ist die Referenzaufnahme zum Abgleich wo Licht und Schatten im Bild ist, aus denen dann die Details aus den anderen beiden Aufnahmen rekonstruiert werden.

+1

Die überbelichtete Aufnahme (+1 Blende) dient der HDR Software zur Berechnung der Details in den Schatten.

Links im Bild die Normalbelichtung, rechts das zugegeben übertriebene HDR. Erstellt mit Google Nik HDR Efex und dem Preset Tinted, wobei ich noch etwas Drama hinzugefügt habe. Sehr schön sieht man an dieser Übertreibung allerdings, was alles an Details in einem HDR zum Vorschein kommt: die Wolken sind sichtbar, der Beton ist geradezu hässlich detailliert. 

Ein Problem bei der HDR-Entwicklung wird auch hier sehr schön offenbar: Oftmals entsteht unschöner heller Lichtschein um Kontrastkanten, sog. Halos. Das zweite Problem im Bild: Der Fußboden ist viel zu hell, da sich auch noch ein Dach darüber befindet. Von der heftigen Farbsättigung mal ganz abgesehen, sind dies die drei Gründe, warum HDRs oftmals unbeliebt sind und als unnatürlich angesehen werden. 

Komplette Belichtungsreihe

Wie bereits eingangs schon erwähnt, erhält man die besten HDRs mit einer kompletten Belichtungsreihe von der totalen Unterbelichtung bis hin zur Überbelichtung, bis alle Kanäle im Histogramm rechts bei den Lichtern anschlagen. Dabei ist es notwendig das Histogramm im Display der Kamera so einzustellen, dass die Kanäle in RGB angezeigt werden, da der Rotkanal zumeist erst ganz am Ende der Serie rechts anstößt. Dies geht ohne Stativ gar nicht mehr und da man eine geraume Zeit benötigt, bis man die Serie in der Kamera hat, erhalten weitere Probleme der HDR-Fotografie Gewicht: Das sog. Ghosting.

Ghosting

Auch Geisterbilder genannt. Diese entstehen bei längeren Belichtunsgsreihen durch Objekte / Subjekte, die sich im Bild bewegen. Also z. B. Passanten, die durchs Bild laufen. Wolken, die schnell weiterziehen und auch der Wind ist nicht zu unterschätzen, kann er doch die Blätter in den Bäumen stark in Bewegung versetzen. In der Belichtungsreihe unten ist dies durch einen Kreis markiert. Hier ist die Software ausschlaggebend, wie sie mit diesen Geisterbildern zu Rande kommt, sonst entstehen unschöne Effekte, z. B. halbtransparente und übereinander gestapelte Menschen.

ACR vs. Photomatix Pro

Geisterbilder

In dieser Belichtungsreihe aus 9 Aufnahmen sieht man sehr schön die Leute, die durchs Bild laufen - gekennzeichnet durch eine Kreismarkierung. Da sie sich zwischen den einzelnen Aufnahmen weiter bewegt haben, entstehen die Geisterbilder im endgültigen HDR.

Bildausschnitt

Das linke Bild im Image-Slider ACR vs Photomatix oben ist eine Normalbelichtung aus der Serie und mit Adobe Camera RAW (ACR) bearbeitet, das rechte Bild ist ein Tonemapping mit einem natürlichen Preset in Photomatix Pro. Bewusst habe ich hier die Geisterbilder im HDR nicht entfernt, damit Sie sehen wie diese sich in einem Bild darstellen. Photomatix hat jedoch keinerlei Probleme diese vollautomatisch zu entfernen.

Selbst im RAW-Modus der Kamera, welcher eine Anpassung der Belichtung im RAW-Entwickler um ± 4 Blenden zumeist erlaubt, sieht man deutlich die ausgefressenen Lichter im Himmel und Details in den Wolken sind kaum sichtbar. Die Zeichnung in den Wolken hätte man noch mit einer lokalen Belichtungskorrektur verbessern können, worauf ich aber auch bewusst verzichtet habe um Ihnen die Vorzüge der HDR-Fotografie vor Augen zu führen.

 

Photomatix Pro 5

Auf was sollten Sie achten?

Wenn Sie über die Anschaffung einer HDR-Software nachdenken, sollten Sie einige Punkte beachten. Zuallererst laden Sie sich Google Nik HDR Efex herunter, denn das komplette Software-Paket – Google Nik Collection – ist mittlerweile gratis erhältlich und ein Must-have! Es hat mal ehedem $ 500.- gekostet, die ich meiner Zeit noch gelöhnt habe.

HDR Efex kann sich durchaus mit Photomatix messen, wenngleich letztere Software für mein Dafürhalten die bessere ist. Wenn Sie sich für Photomatix interessieren, gehen sie auf die Startseite / Partner. Hier habe ich zu HDR Soft verlinkt. Das User Interface (Benutzeroberfläche) ist nicht so stylisch chic und im Flat-Design, dafür hat die Software ordentlich Power unter der "Motorhaube". 

Abschließend habe ich Ihnen in der rechten Spalte noch eine Liste zusammengestellt von Features, die ein ordentlicher HDR-Entwickler mitbringen sollte. Selbstredend, dass Photomatix Pro all dies beherrscht.

 

Features

Fragen Sie sich, ob die Software Ihrer Wahl folgende Ausstattung hat:

  • Automatisches Ausrichten der Bilder (Alignment) und Optionen für Stativ oder von Hand gehalten
  • Manuelles und automatisches Deghosting
  • Korrektur der chromatischen Aberration (schlägt vor allem bei der Überbelichtung zu!)
  • Entrauschen (denoise) der einzelnen Aufnahmen (schlägt vor allem bei den Unterbelichtungen zu!)
  • Echtes Tonemapping und Fusion
  • Voransicht des 32bit Bildes (natürlich gerendert auf 16 bit)
  • Mögliche Korrektur von Lichtern, Schatten, Spitzlichtern, Weiß- und Schwarzpunkt, Gamma, Weißabgleich (Farbtemperatur), Sättigung
  • Möglichkeit, eigene Presets zu speichern
  • Batch-Processing (also die Stapelverarbeitung mehrerer Belichtungsreihen)
  • Vorhandene Plug-ins für Photoshop und Lightroom (erleichtern die Arbeit sehr!)
  • Welche Kameraformate kann die Software lesen? Nikon, Canon, Adobe DNG? (letzteres kann HDR Efex nicht).
  • Ein guter Hersteller gibt das alles auf seiner Website preis!