Love Oneself

Volksfest anonymisiert

Nach einem wunderschönen Tag am See mit Sonnenbaden und Schwimmen bis zum schieren Exzess packte ich meine Sachen und fuhr einmal um den See herum, um mir das Siedlerfest anzusehen. Gleich beim Betreten war ich entzückt von den vielen kleinen Schaustellern, zum Großteil Karussells und Erlebnisbereiche speziell für Kinder. Insgesamt ein sehr familiäres und pittoreskes Ambiente, weit entfernt vom Massentourismus und -besäufnis des Oktoberfests, das einlud ein paar Schnappschüsse mit dem iPhone zu machen. Meine Begeisterung hielt jedoch nur ein paar Minuten, als ich von einer Schaubudenbetreiberin aufgehalten und gezwungen wurde unter ihrer Aufsicht die Bilder wieder zu löschen, aus datenschutzrechtlichen Gründen, wie man mir mitteilte. 

Der Datenschutz in Deutschland treibt neuerdings wunderbare Blüten der Diskriminierung. Was wird nun aus all den Foto-Kursen die sich auf Volksfesten treffen wollen um die Event-Fotografie zu erlernen? 

Natürlich leistete ich keinen Widerstand und löschte die Bilder, ich wollte ja nicht von der Security oder schlimmer noch von der Polizei abgeführt werden. Selbstredend, dass damit der Spaß auf dem Volksfest sein abruptes Ende fand und ich es verließ mit dem Vorsatz, nie mehr wieder auf dieses Siedlerfest, geschweige denn ein anderes Volksfest zu gehen. Kein Problem! Dem Oktoberfest bleibe ich seit 30 Jahren fern.

Zu Hause angekommen, recherchierte ich im Internet: Was gibt’s zum Thema „Fotografieren auf dem Volksfest“? Zuerst mal finden sich zahllose Seiten von Fotografen, die Kurse zum Thema anbieten – on location, d. h. man trifft sich in Gruppen auf dem Volksfest und zieht mit dem Profi von dannen um zu Fotografieren. Dann fand ich einen Artikel in einer überregionalen Tageszeitung vom Volksfest in Ebersberg, bei dem ein Hobby-Fotograf mit seiner Kamera unterwegs war und nicht so glimpflich davonkam. Vor allem wollte der Bürgermeister nicht, dass „die feschen Mädeln in ihren offenherzigen Dekolletés“ abgelichtet werden und zumindest die Leute gefragt würden, bevor man sie vors Objektiv nimmt. So ein Witzbold! Wie soll man bitte alle Menschen auf einem Volksfest fragen, ob man sie fotografieren darf?  Zuletzt besuchte ich noch den Internet-Auftritt des Siedlerfestes und siehe da, sie selbst haben extreme Lücken in ihrem Datenschutz. 

Für mich heißt das, niemals auf einem Volksfest fotografieren, auch nicht mit Smartphone und wenn, dann mit einer analogen Kamera mit Film, denn hier greift der Datenschutz nicht. Oder ansonsten Volkfsfesten so fern wie nur irgend möglich bleiben. 

Fotografen werden Dank einem überinterpretierten und übereifrigen Datenschutz bald aussterben und es werden die zehn Millionen Selfies von selbstverliebten Menschen bleiben, die minütlich hochgeladen werden. Schöne neue Welt, love yourself!

Addendum

Ich verlinke nicht zu den Artikeln und nenne auch die Tageszeitung nicht, denn das wäre dann schon wieder Werbung mit Link, und das ist neuerdings auch sehr problematisch. Wie ich dennoch an meine Bilder gekommen bin, trotz dessen ich sie ja gelöscht habe? Das bleibt das Geheimnis von Apple. Das Bild im Blog wurde anonymisiert. Mehr zu Thema bei mir lesen sie in meinem Statement.