Post-Traumatic Stress Disorder Of A City

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Die wie ich sie nenne Kleine Wies’n habe ich im August immer gerne besucht, da impark nicht so überlaufen wie das Oktoberfest ist und einen familiären Charme hat. Es ist das Sommerfest im Olympiapark für Familien mit Kindern und so finden sich auch kaum „Begleiterscheinungen“ wie bei der Massenveranstaltung Oktoberfest. Mir hat dieser Flair immer sehr gut gefallen, wenig Schausteller und viele davon speziell für Kinder. Alles verstreut und nicht dicht auf dicht gedrängt, ein offenes Gelände, welches zum Flanieren und Fotografieren einlud.

Nicht so in 2016. Nach dem Amoklauf scheint es so als befände sich die gesamte Stadt in posttraumatischer Stressbewältigung. Das gesamte Gelände ist eingezäunt, ich habe gefühlt genauso viele Security-Officer gesehen wie Besucher. Taschenkontrollen – etwas das ich nach den Anschlägen von 09/11 in New York bereits erlebte aber hierzulande ein absolutes Novum ist. Da ich beim Fotografieren mein reichhaltiges und schweres Equipment immer im Rucksack mit mir trage, sodass ich beide Hände frei habe zum Fotografieren, fühlte ich mich ad hoc wie ein suspektes Individuum, nachdem gerade heftig diskutiert wird, das Oktoberfest einzuzäunen und keine großen Taschen und Rucksäcke zuzulassen.

Die Security ließ mich überall durch, da ich meine Kamera in der Hand hielt und das Stativ aus dem Rucksack ragte. Dennoch kam in mir nicht die große Lust aufs Fotografieren auf, da ich es grundsätzlich vermeide Sicherheitsleute oder Polizisten zu fotografieren. Völlig ratlos welchen Bildausschnitt ich wählen soll ohne irgend jemanden von der Sicherheit abzulichten und überwältigt von einem Unwohlsein, wie ich es noch nie in meiner Heimatstadt auf einer Veranstaltung empfand, steckte ich meine Kamera mit Null Fotos auf der Speicherkarte wieder ein und verließ nach einer knappen halben Stunde das Gelände beinahe fluchtartig.

Auf dem Weg zur U-Bahn fielen mir wieder die Worte unserer Lokalpolitiker ein: „Wir lassen uns die Lebensfreude nicht nehmen“. Doch in einem Hochsicherheits-Menschengehege muss ich sagen, dass da in mir nicht mehr viel Lebensfreude ist. Zwar bin ich durchaus kein ängstlicher Mensch, denn wenn das Schicksal andere Pläne für mich hat, kann ich mich aufhalten wo immer ich will wenn es zuschlägt, doch eine Konsequenz habe ich bereits daraus gezogen: Nach 26 Jahren Wies’n-Abstinenz hat sich nun auch die Kleine Wies’n für mich in eine No-go-area verwandelt. Schade. Dass es mal anders war sehen Sie in obigem HDR aus dem Jahr 2013.